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Bent Szameitat: Künstler der Filmografie

September 3rd, 2011 · Kommentare

Die Journalistin Sabine Deh aus Drage war die erste, die uns seinen Namen nannte: Bent Szameitat. Ich solle doch seine Website anschauen. Was wir auch taten, worauf es sich ergab, mit dem Filmografen ein Interview zu führen, um das Rätsel um die Filmografie richtig lüften zu können:

Welche Idee steckt hinter den filmografien: Spaß, Experimentierlust, Freude am Sichtbarmachen der Bewegung, die Kombination von Bild und bewegtem Bild?

Szameitat: Sie haben die Antwort größtenteils schon vorweggenommen. Experimentierlust und Spaß waren damals, als ich 1987 meine erste filmografie mit einer normalen Spiegelreflexkamera machte, sicher der Auslöser. Ich hatte meine Kamera falsch eingestellt und einen Film viel zu dunkel belichtet. ich wollte diesen Film jedoch nicht wegwerfen. Ich rechnete mir aus, wie schnell ich den Film bei geöffnetem Verschluss transportieren muss um die richtige Belichtung zu erhalten. Ich spulte dementsprechend, eben bei geöffnetem Verschluss, diesen Film bei der Durchfahrt durch den neuen Elbtunnel zurück (AN_001_der anfang).

Mir waren anfangs die Möglichkeiten, die ich mit dieser Art der Kombination aus Film und Fotografie habe gar nicht bewusst. Dann jedoch faszinierte mich die Möglichkeit Zeitabläufe aufzunehmen und in einem Bild wiederzugeben. Zeit ist Veränderung. Sie ist vom Gefühl her variabel und nicht fassbar. Anders als bei der herkömmlichen Fotografie, in denen Momente dargestellt werden, konnte ich mit der filmografie die Zeit auf eine neue Art sichtbar machen. Ein schönes Beispiel ist hierfür WA_002 sylter welle. Betrachtet man diese filmografie von rechts nach links durch einen schmalen Schlitz zeigen sich das Aufbauen der Welle, das Brechen und das Nachschäumen im zeitlichen Ablauf und trotzdem in einem Bild. Ein anderes Beispiel ist  SP_004 achter, bei dem der gesamte Ruderzyklus gezeigt wird.

Ein weiterer Aspekt ergibt sich, wenn ich die Kamera nicht stationär benutze, sondern die Kamera bewege. Es entsteht eine zeitliche Perspektive. Dinge, die nah sind fliegen vorbei, während sich weiter entfernte nur langsam verändern. Dadurch entstehen, bei entsprechender Geschwindigkeit der Bewegung in Kombination mit der Filmtransportgeschwindigkeit, scharf abgebildete Objekte im Vordergrund, während weit entfernt Liegendes nur noch als Streifen, also zeitlich gedehnt, dargestellt werden. Oder anders herum, wenn ich weiter entferntes scharf abbilde ist der Vordergrund zeitlich und bildlich gestaucht.

Direkte Frage: Sind Sie ein Mann der Kunst? Oder ein Mann der angewandten Kunst? Haben Sie Kunstfotografie vor den Augen oder auch etwas von der Umsetzung beispielsweise in der Werbung?

Szameitat: Diese Frage hat mich nie wirklich beschäftigt. Ich bin Filmograf. Aber um Ihre Frage zu beantworten: Ich sehe mich eher als Mann der angewandten Kunst. Filmografien sind  aufgrund ihrer Proportionen optisch architektonische Elemente, wenn sie in Räumen hängen. Allerdings habe ich auch schon Messestände mit meinen Bildern gestaltet. Zu werblichen Zwecken sind sie ebenfalls nutzbar.

Was bedeutet Ihnen der Film?

Szameitat: Film empfinde ich als ein sehr interessantes Medium und in der filmografie steckt ja auch ein gewisser Anteil am Filmen. Für mich ist die filmografie auch ein Herantasten an das Filmen. Dabei ergeben sich verschieden Möglichkeiten. Einerseits mache ich in einem speziellen Verfahren aus Filmen filmografien und andererseits aus filmografien Filme. Diese Umsetzungen sind jedoch nur digital praktikabel.

Ich stehe beim Filmen noch am Anfang, aber ich denke, dass ich dieses Medium immer mehr in meine Arbeit integrieren werde. In welcher Art dieses passieren wird kann ich noch nicht sagen.

Darf man etwas über die Technik dahinter erfahren?

Szameitat: Die Technik ist relativ simpel. Ich transportiere den Film während der Belichtung. Ähnlich einem Seismographen oder einem EKG, bei dem eine Papierrolle transportiert wird und Ereignisse darauf geschrieben werden, transportiere ich den Film und schreibe Ereignisse auf diesen.

Die digitale filmografie hat Vor- und Nachteile. Sie hat, zumindest mit normalen Kameras eine wesentlich, um das ca. 150 fache kleinere zeitliche Auflösung. Dafür ist sie von den Proportionen nicht so begrenzt wie ein Kleinbildfilm und es ist durchaus möglich, Bilder von 50 cm Höhe und 200 m Länge herzustellen.

Tags: Kunst · Menschen

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